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Masterplan Parken – Licht aus im Leuchtturmprojekt SUPERBÜTTEL?

Sichere Schulwege und ein bundesweit bekanntes Leuchtturmprojekt aus dem SUPERBÜTTEL droht nun auf Grund des Nonsenses „Parkdruck“ (Gibt es nicht! Es gibt höchstens zu viele und immer größer werdende Autos!) auf Kosten von körperlicher Unversehrtheit von Kindern und Erwachsenen, Flächengerechtigkeit, neuen Nachbarschaftsräumen, Teilhabe aller sowie Klima- und Umweltschutz endgültig geopfert werden.

KURS FAHRRADSTADT wendet sich daher heute in einer gemeinsamen Aktion mit dem ADFC-Hamburg sowie auch im Namen des Elternrats der Schule Rellinger Straße an die Öffentlichkeit.

Über vier Jahre Arbeit, nicht nur von uns, sondern auch von der Bezirkspolitik, einer engagierten Verwaltung sowie der große Einsatz, den Schulkinder und Nachbarschaft in einem umfangreichen Beteiligungsprozess gezeigt haben, drohen ebenso verbrannt zu werden wie bisher eingesetzte finanzielle, teils von der EU geförderte Mittel – wegen 26 Parkständen, von denen gut die Hälfte zudem unmittelbar am Gehwegrand direkt vor dem Grundschulgebäude liegen.

Mehr Missachtung von Engagement sowie den recht eindeutig geäußerten Wünschen der Bewohnenden im SUPERBÜTTEL wäre im Falle der Streichung des Projektes kaum möglich.

Ich bin enttäuscht. Wir haben so viel Zeit damit verbracht, uns tolle Ideen auszudenken. Die ganze Relli hat sich darauf gefreut!

Es wird für alle Kinder an der Schule und die, die nach uns kommen, eine tolle Sache. Die Kinder sollen wichtiger sein als ein paar Parkplätze.

Holly, Schule Rellinger Straße, Jg. 4

Ich finde es total schade, dass die Straße vielleicht nicht umgebaut wird, weil wir so viele gute Ideen hatten und ich mich darauf gefreut hatte.

Selma, Schule Rellinger Straße, Jg. 6

„Masterplan Parken“ nennt sich einer der Eckpfeiler des Ende April in Hamburg vorgestellten neuen Koalitionsvertrags, den die Grünen so unterschrieben haben, worauf wir bereits in unseren letzten Beiträgen („Vorwärts oder zurück?„) eingegangen sind.

Es ist ausgerechnet Senator Tjarks‘ (Grüne) Mobilitätswendebehörde (BVM), die mit diesem Instrument auf eine stadtweite Parkplatzzähl- und Suchaktion gehen soll, von der niemand außer der Regierungskoalition selbst weiß, was das alles soll, was man mit den Ergebnissen anfangen möchte, wann die irre Datenerhebung überhaupt beginnt und wie lange sie dauern soll.

Bis dahin gilt ab sofort: Keine weitere Parkraumumgestaltung ohne Ersatz, Umsetzungsstopp oder die erneute Vorlage auf höchster Ebene für alle (bereits geplanten) Projekte, die Parkstände in sinnvoll nutzbaren Raum für alle verwandelt hätte anstelle diesen weiter als billige Abstellhalde privater Blechmassen vorzuhalten.

Das ist ein vollwertiger Stopp des bisher und erstmals recht erfolgreich eingeschlagenen Pfades, den Hamburg in den letzten fünf Jahren bereits gegangen war! Im Hamburger Straßenraum ķommt somit die völlige Abkehr der notwendigen Verkehrswende ähnlich dem Backlash in Berlin – für Außenstehende allerdings hanseatisch fein verkleidet kaum merkbar daher.

Es wird vermutlich lange gezählt werden, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum, was es zusätzlich kompliziert macht.  Auf die Frage, wozu überhaupt die Anzahl privater Parkplätze erfasst werden müsse, antwortet der Senat: „Die  Erkenntnisse über Stellplatzkapazitäten auf Grundstücken im privaten Eigentum sind für die sachgerechte Entwicklung des Masterplans Parken erforderlich“ (siehe „Großer Masterplan Parken – Das planen SPD und Grüne jetzt in Hamburg„, Hamburger Abendblatt vom.1. Juni 2025). Was das wahrscheinlich im Klartext bedeutet, liegt auf der Hand: In grünen Vororten mit Einfamilienhäusern und Parkplätzen auf allen Grundstücken, da wo es vergleichsweise eher wenig gebraucht wird, können weiter „Spielstraßen“ und schöne Radwege eingerichtet werden. Alt gewachsene, citynähere Gebiete dagegen, die schon heute unter einer erdrückenden Autolast ächzen, können alle weiteren Aussichten auf Besserungen wohl vergessen.

Weil Parkplätze wichtiger sind als der Umbau der Stadt in einen lebenswerteren Raum für ihre Bewohnenden, wurden die für Mai geplanten Veröffentlichungen der Ausschreibungen nun zurückgehalten, das SUPERBÜTTEL-Projekt vorerst auf Eis gelegt – und das, obwohl politisch eigentlich alles längst entschieden war.

Neben dem Projekt vor der Grundschule im SUPERBÜTTEL trifft es im Bezirk Eimsbüttel ebenfalls die Wrangelstraße, in der eine bereits eingerichtete Baustelle darum wieder abgebaut werden musste (hier eine das Projekt unterstützende Petition) sowie eine weitere geplante Maßnahme im Fuhlsbütteler Weg in Niendorf. Ebenfalls auf Eis liegt darum zur Zeit das Projekt „Schulcluster Eimsbüttel“. Stadtweit dürfte inzwischen viel mehr in der Warteschlange hängen und auf endgültige Urteile warten.

Nach unseren Informationen soll über das SUPERBÜTTEL Projekt, welches sogar im Ausland Interesse weckt und entsprechend beobachtet wird, innerhalb der kommenden zwei Wochen in der Senatskanzlei entschieden werden.

Wir fordern die Senatskanzlei und den Senat zu einem sofortigen Aussetzen des „Masterplan Parken“ sowie zur Fortführung aller bereits genehmigten und ähnlichen, kommenden Vorhaben auf!

Andernfalls werden Preise wie der erst gerade erst an den Bezirk Altona verliehene Deutsche Fahrradpreis für die vorbildliche Umgestaltung der Luise-Schroeder-Straße auf lange Zeit der letzte sein.

Nicht das Partikularinteresse einiger weniger, sondern das Gemeinwohl aller muss ab sofort im Vordergrund stehen.

Vision Zero muss endlich zum Masterplan werden in der selbst ernannten „Fahrradstadt Hamburg“, die für Radfahrende so gefährlich wie lange nicht ist: Allein in diesem Jahr sind bereits sechs auf Hamburgs Straßen getötet worden – die Zahl der leicht Verletzten im ersten Quartal 2025 ist sogar um 21% gestiegen!

Es wird Zeit, dass der Senat seiner Verpflichtung zum Schutz seiner Bürgerinnen und Bürger nachkommt anstelle durch mutwilliges Nichthandeln das Töten und Verletzen auf den Straßen Hamburgs weiter billigend in Kauf zu nehmen! Hierzu zählt übrigens auch der ebenfalls im Koalitionsvertrag festgehaltene Nichteinsatz für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in der Stadt.

Der Senat sollte sich allmählich selbst ernst nehmen, andernfalls ist nicht länger nachvollziehbar, was er meint, wenn Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und weitere Entscheidungsträger wie kürzlich auf der Hamburg Sustainability Week die Dringlichkeit eines nachhaltigen Handelns anmahnten, indem sie betonten: „Die Zeit des Redens sei vorbei!“*.

Es wird Zeit, dass im Senat verstanden wird, worum es NICHT geht: Um Parkplätze.

„It’s not my duty as Mayor to make sure you have a parking spot. For me it’s the same as if you bought a cow, or a refrigerator,
and then asked me where you’re going to put them.“


Miguel Anxo Fernández Lores
Bürgermeister in Pontrvedra, Spanien, seit 1999 6x wieder gewählt

* Quelle: BUKEA Hamburg Instagram-Kanal der Umweltbehörde Hamburg, Eintrag „Hamburg Sustainability Week eröffnet“ vom 1. Juni 2025

Parkplatz Moratorium

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